Der nächste Schnelltestabend findet am 29. August 2017 ab 18 Uhr statt.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Bitte beachten Sie: Letzte Annahme ist um 20 Uhr.

Wir tun etwas  

Als Selbsthilfeorganisation klären wir in Hagen seit 1987 über HIV und AIDS auf. Außerdem unterstützen wir Menschen mit HIV und AIDS und verstehen uns als deren Interessenvertretung. Unsere Arbeit in unserer Beratungsstelle und vor Ort umfasst mehrere Schwerpunkte. Klicken sie sich einfach durch das Menü auf der linken Seite.

AIDS-Hilfe Hagen verschwendet Geld!

Die Beantwortung eines Briefes mit etwa diesem Inhalt hat nun schon einige Stunden Haupt- und Ehrenamtlicher Arbeit gekostet. Was dahinter steckt lesen Sie hier.

Am Donnerstag, den 10.11.2016 staunte unser Beratungsstellenleiter Andreas nicht schlecht. Das Telefon klingelte und am anderen Ende der Leitung war der WDR. Nicht aber etwa wegen eines Interviews oder Beitrags über unsere Arbeit sondern wegen eines anonymen Schreibens welches offenbar recht breit versendet wurde. Seit diesem Donnerstag steht das Telefon schon seit Tagen nicht still.

Anonyme Briefe, die an die Presse oder das Fernsehen, sogar an Lokalpolitiker geschrieben werden, nur nicht an uns als "Betroffene" lehnen wir normalerweise ab und sie landen eher im Papierkorb, als dass wir sie ernst nehmen. Die meisten beinhalten meistens unbewiesene Aussagen, üble Nachrede und Hetze oder gar Drohungen. Letztere landen in der Regel bei Staatsanwaltschaften und der Polizei.

Presse, Fernsehen, Politik aber auch andere Unterstützer der AIDS-Hilfe möchten wissen was mit ihren Geldern passiert.

Das geht sogar, ohne seinen Namen zu nennen und dann braucht auch keiner Angst zu haben, dass wir ihm böses tun.
Manchmal frage ich mich aber, was den einen oder anderen Briefschreiber veranlasst, alle möglichen Leute, Behörden und Medien über vermeintliche Missverständnisse zu informieren, wenn man nur viel leichter Auskunft bekommt, wenn man einmal entweder bei uns anruft oder via Email oder durch zahlreiche andere Möglichkeiten Kontakt zu uns aufnimmt.

Hier unsere offizielle Stellungnahme:

Ärgerlich werden wir eigentlich nur, wenn man versucht mit Schmutz zu werfen. Gegen uns und unsere Ehrenamtlichen oder – was ich noch schlimmer – finde gegen benachbarte AIDS-Hilfen. Geschehen in aktuellen Brief, der Anlass für das hier veröffentlichte Mediengespräch war.

Und ich verspreche, den geneigten Lesern, dass ich auf keine der sich daraus ergebenden Fragen, eine Antwort schuldig bleibe. Einfach deswegen, weil wir uns schon immer in der Pflicht gesehen haben, unseren Gönnern zu sagen, was wir eigentlich machen und wovon wir Dinge bezahlen. Wer dazu weitere Fragen hat, kann sich jederzeit bei uns melden.

Wer sich nicht direkt bei uns melden mag, erhält Einblick in unsere Arbeit auch über das sog. kommunale Berichtswesen, dass die Stadt regelmäßig auch im Sozialausschuss behandelt und dann auf ihrer Homepage veröffentlicht.

Werden Sie dort nicht fündig, werden Sie dies immer bei uns selbst. Meistens im März/April liegt unser Jahresbericht öffentlich vor.

So nun, aber zu den Kernfragen in dem besagten Brief:

Am Donnerstag in der vergangenen Woche (10.11.2016) erreichten uns mehrere Anrufe unter anderem jener vom WDR, den ich hier aus dem Gedächtnis protokolliere:

WDR: "Ich will ganz offen mit Ihnen sein, Herr Rau, es geht um einen anonymen Brief, der an uns gegangen ist, bei dem jemand die korrekte Verwendung von Spenden in Frage stellt und Sie und den Vorstand betrifft."

AIDS-Hilfe: "Ach, pünktlich zum Welt-AIDS-Tag und zu den Verhandlungen mit der Stadtverwaltung um mehr Geld. Anonymes Melden, das hat uns ja gerade noch gefehlt."

WDR: "ja, da könnten Sie Recht haben ha ha…, aber Sie verstehen sicherlich, dass wir so einer Meldung nachgehen."

AIDS-Hilfe: "Verstehe ich gut, gut dass Sie recherchieren."

WDR: "nun ja, konkret lautet der Vorwurf, Sie würden immer wieder Spenden sammeln und diese dann nicht korrekt verwenden – oder besser gesagt für Unsinn, der mit Ihrer Satzung nichts zu tun hat. Genauer gesagt um die Anschaffung von Fahrzeugen" Und ich muss ernsthaft davon ausgehen, dass auch die Lokalpresse das gleiche Schreiben hat, so verstehe ich diesen Brief…." (Anmerkung: Als Empfänger der Briefe haben sich bis jetzt das Theater Hagen, unser Vermieter sowie verschiedenen politische Fraktionen und das Gesundheitsamt gemeldet)

AIDS-Hilfe: "Wer schreibt denn solche unsinnigen Briefe?"

WDR: "weiß ich doch nicht, ist doch anonym."

AIDS-Hilfe: "War einen Versuch Wert, müssen Sie zugeben haha haha."

WDR: "ja, und wir wüssten es ja selber gerne, aber man muss respektieren, dass sich Menschen nicht aus der Deckung trauen."

AIDS-Hilfe: "auf jeden Fall."

So und nun zum Kern der Anfrage, der relevant ist:

Wie viele Spenden nehmen Sie denn so im Durchschnitt ein und woher kommen diese?

Der Bilanz von 2015 sind ungefähr 20.000 Euro als Barspenden zu entnehmen. Das entspricht auch in Etwa den durchschnittlichen Zahlen der vergangenen Jahre. Meistens von privaten Spendern, manche anonym, manche mit der Bitte um eine Spendenbescheinigung. Und nur in dem Fall verfügen wir über entsprechende Daten, ein anderer Teil kommt über Spendendosen z.B.

 

 

Konzeptbild des Condomobils mit Logo eines unserer Hauptsponsoren. Die Werbung "Jugendkondom YOUNG" zeigt schon die primäre Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene. (2012)

Haben Sie einen teuren Roller aus Spendenmitteln beschafft und einen Bierwagen?

Nein, wir haben einen Roller von Sponsoren geschenkt bekommen, die auf dem Roller auch alle verewigt sind. Es handelt sich um eine Werbefirma in Bochum, die solche Geschenke vermittelt. Aus den Sponsorenmitteln wird die Anschaffung finanziert. Dafür wird das Fahrzeug dann allerdings Vollkasko versichert. Danach haben die Sponsoren keinerlei Rechte mehr daran und die Werbung könnte entfernt werden. Das wäre jetzt in diesem Jahr so weit. Sie (der WDR und SAT 1) haben über diese Ape auch damals selbst berichtet, Ihnen müsste also Archivmaterial zur Verfügung stehen. Es handelte sich übrigens um ein gebrauchtes Modell. Zum Zeitpunkt der Übergabe an uns bereits zwei Jahre alt.

Wozu braucht eine AIDS-Hilfe einen Roller?

Wir haben den Transport-Roller (genauer gesagt, eine APE,die wir “KondoMobil” nennen) genutzt, weil wir damit Aufmerksamkeit erzeugen wollten und vor allem eines unserer drängendsten Probleme zu lösen, nämlich bei Dienstfahrten und Projekten, keinen Autoparkplatz zu bekommen und ständig unsere Materialien mit Privatwagen der Ehrenamtlichen durch die Gegend zu transportieren. Dadurch entstehen nämlich ständig neue und hohe Fahrkosten für die Ehrenamtlichen, die wir zu erstatten haben. Und immer wieder die Frage, wer stellt seinen privaten PKW zur Verfügung und wer haftet, wenn wir einen Unfall bauen. Unsere Ehrenamtlichen sollen nicht durch ihren Einsatz auch noch für Unfälle mit ihrem Privatbudget haften. Wir sparen dadurch also Geld und schützen unsere Ehrenamtlichen vor Schaden. Im Augenblick steht der Roller aber auf dem Hof und hat eine defekte Batterie. Außerdem hat ein “Witzbold” die Luft aus den Reifen gelassen. Der Wagen wird übermorgen von einer Werkstatt abgeholt und repariert.

Die Klappbar im Einsatz auf dem Hoffest der AIDS-Hilfe, einer guten Gelegenheit sich über unsere Arbeit zu informieren. (2015)

Und einen Bierwagen?

Wir haben keinen Bierwagen, wir benutzen einen Verkaufsanhänger als Präventionsprojekt für das Thema "Alkohol, Drogen und Safer Sex. Das Projekt haben wir aus Projektmitteln des "Jugendplans NRW/Landschaftsverband" sowie Spenden auf der Online-Plattform Betterplace sowie zum allergrößten Teil aus eine Zuwendung durch die Sparkassen-Stiftung finanziert (Hauptförderer). Die Beklebung erfolgte durch die Firma Bonacker (auch zu einem sehr günstigen Preis. Beide haben im Gegenzug ihren Firmennamen und ihr Logo diskret auf der "KlappBar"verewigt. Das Projekt firmiert beim LWL unter "KlappBar/Blaupause" Den Wagen setzen wir ein, bei eigenen Veranstaltungen (Hoffest) oder bei Schulfesten und in Jugendeinrichtungen. Wenn wir den Wagen selber einsetzen, dann immer in Verbindung mit unserem Präventionsangebot. Dann bieten wir Aktionen mit "Rauschbrille" und Informationen zu Alkohol, Drogen und Safer Sex an. Die Teilnehmer können dann mit der Rauschbrille selber erfahren, wie Alkohol und Drogen auf ihr Schutzverhalten wirken. Die Idee dazu stammt übrigens von einer Aktion der Kriminalpolizei Schleswig Holstein. Wir haben diese zunächst in Form der "ZerlegBar" für den Inneneinsatz übernommen und mit der “KlappBar” an die Gegebenheiten von Außeneinsätzen angepasst. 

Klappbar im Einsatz bei dem Floh & Eule Flohmarkt in Hagen (2016)

Die Stadt ist Ihr Geldgeber – wie viel bekommen Sie denn da?

Wir bekommen von der Stadt Hagen ca. 83.000 Euro. Davon sind 76.000 aus einem Landesprogramm für AIDS-Prävention und 7000 Euro aus eigenen Mitteln der Stadt. Dieses Geld bekommen wir nicht für die KlappBar oder den Roller, sondern für die Übernahme von Pflichtaufgaben, die sonst die Stadt selber wahrnehmen müsste. So teilen sich das Gesundheitsamt und die AIDS-Hilfe die entsprechenden Aufgaben. Dazu gehören ein HIV-Testangebot, ein Untersuchungsangebot auf sexuell übertragbare Krankheiten, die Aufklärung von Jugendlichen und die psychosoziale Begleitung von Menschen mit HIV/AIDS. Dadurch sparen wir letztlich für die Steuerzahler eine Menge Geld.

Wie viel Geld verbraucht die AIDS-Hilfe so ungefähr?

Im Jahresdurchschnitt haben wir in der Vergangenheit immer zwischen 130.000 und 150.000 Euro pro Jahr umgesetzt. Für Personalkosten, Mietkosten und Sachkosten für unsere Arbeit.

Sind 20.000 Euro plus 83.000 Euro dann nicht deutlich zu wenig?

Woher kommt das Geld für Projekte und die Differenz, die sowieso entsteht? Insgesamt ist also unsere Arbeit deutlich unterfinanziert, wie Sie sehen. Deswegen verhandeln wir ja mit der Stadt um eine Erhöhung des Budgets und deshalb ist auch das Theater jetzt öfter mal eingesprungen und hat uns mit der Ballettgala (ca. 10. - 12.000 Euro) im Abstand von zwei bis drei Jahren unterstützt. Aber selbst das reicht ja oft nicht.

Deswegen erheben wir einen Mitgliedsbeitrag, den wir 2012 auf 100 Euro (75 Euro für Sozialhilfeempfänger) erhöhen mussten. Wir haben unsere Räume verkleinert, damit wir weniger Energie- und Mietkosten zahlen. Sogar bezahltes Personal mussten wir entlassen. Insgesamt haben wir seit dem Jahr 2000 sukzessive 34, 5 Stunden abgebaut. Diese Arbeit übernehmen also Ehrenamtliche und die Angestellten, die übrig sind durch Überstunden, die sie in Freizeit ausgleichen. Gleichzeitig mussten unsere Mitarbeiter auf Weihnachtsgeld verzichten. Lediglich die Kosten für Ihre Fahrten mit dem Privatwagen bekommen sie erstattet. (Deswegen zum Beispiel der Roller).

Ansonsten versuchen wir immer wieder, Projekte so innovativ und interessant zu gestalten, dass sich Förderer wie die Aktion Mensch, der Landschaftsverband oder Stiftungen daran beteiligen.

So finanzieren wir dann unsere Jugendarbeit/Jugendgruppe Queerschlag, unseren Treff für Menschen mit HIV und die Selbsthilfegruppe für HIV-Betroffene oder auch das eine oder andere besondere Projekt in Schulen und Jugendeinrichtungen. Seit Oktober versuchen wir noch zusätzlich Mittel durch einen "Kiosk" zu erhalten.

Schüler zahlen unter Umständen eine Kostenbeteiligung für einen Termin in der Schule, von dem wir Fahrkosten, Druckkosten und Energiekosten versuchen zu refinanzieren. Wenn andere Gruppen unsere Räume benutzen, bezahlen diese ebenfalls eine Kostenbeteiligung. Der HIV- und Syphilistest wird weiterhin kostenlos angeboten. Über Spenden dafür freuen wir uns. Wobei wir hier darauf achten, die Einnahmen auch nur zur Kostendeckung für dieses Angebot zu nutzen.

Das heißt also, sie verwenden die Gelder hauptsächlich zur Deckung der entstehenden Kosten?

Nicht hauptsächlich, sondern ausschließlich und entsprechend unserer Satzung. Und dies immer unter der Berücksichtigung,einer angemessenen und wirtschaftlichen Haushaltsführung. Unabhängige Kassenprüfer sowie das Finanzamt oder Rechnungsprüfungsausschuss des Landes NRW prüfen die Bilanz der AIDS-Hilfe jährlich.

Um es vielleicht noch einmal zu erwähnen. Außer, dass unsere hauptberuflichen Mitarbeiter Lohneinbußen hinnehmen müssen, tragen sie viele Kosten selbst, die für andere Arbeitnehmer selbstverständlich vom Arbeitgeber erstattet werden. Selbst in klammen Kommunen gelten hier Tarifverträge, die bei uns leider nicht erfüllt werden können. Unsere Ehrenamtlichen stellen oft neben ihrer kostenlosen Arbeit auch oft noch Material zur Verfügung, kochen, backen oder basteln, ohne dafür einen Auslagenersatz zu fordern.

Das alles tun sie ohne Murren, und weil sie von der Arbeit überzeugt sind. Manche nutzen die Ehrenamtskarte der Stadt, um wenigstens ein geringes Gefühl von “Ersatz” für ihr Engagement zu bekommen.

Selbst für eine Weihnachtsfeier, die wir einmal im Jahr machen, tragen sie die Kosten für ihr Essen komplett selbst.

Auch der Vereinsvorstand arbeitet ausschließlich ehrenamtlich.

Bedenkt man diesen Einsatz, stellt sich schon die berechtigte Frage: Muss man ihnen ihre Arbeit noch durch Nebenkriegsschauplätze wie diese anonyme Briefschreiberei unnötig erschweren?

Wir finden: NEIN.

Fragen Sie uns Löcher in den Bauch und streiten Sie mit uns, wenn Sie anderer Meinung sind, als wir. Aber tun Sie es mit offenem Visier. Es beschimpft Sie niemand, weil Sie fragen. Im Gegenteil, wir freuen uns über aufrichtige – auch kritische – Anteilnahme an unserer Arbeit.

Mit freundlichen und solidarischen Grüßen Andreas Rau (Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Hagen)

 


Newsletter



Joomla Extensions powered by Joobi

Benutzer

JSN Epic template designed by JoomlaShine.com